Bahnhof Schlebusch/Manfort

Der Bahnhof bildete die Grundlage für die Ansiedlung später bedeutender Betriebe der Sprengstoff- und metallverarbeitenden Industrie und um den Bahnhof entstand als neue Ortschaft, der heutige Stadtteil Manfort.

Dynamit Nobel Sprengstofffabrik

Das Werk Schlebusch war einer der ersten Betriebe, die nach 1870 den neuen Sicherheitssprengstoff Dynamit des Schweden Alfred Nobel produzierten.

Die Fabrik in Schlebusch entstand 1871 und firmierte unter dem Namen Kayser & Edelmann. 1884 übernahm der von Alfred Nobel geführte Konzern das Werk. Zunächst vor allem für Berg- und Tunnelbau verwendet, kam dem Dynamit im Ersten Weltkrieg auch zentrale militärische Bedeutung zu, und das Werk wurde Teil einer ausgedehnten Munitionsindustrie im Raum Leverkusen mit tausenden von Beschäftigten.

Allein im Werk Manfort arbeiteten im Krieg etwa 5000 Beschäftigte und 90 Zwangsarbeiter. 2004 wurde das Unternehmen Dynamit Nobel aufgelöst; heute werden auf dem Gelände Spezialchemikalien für die Pharmaindustrie produziert.

EUMUCO / Eulenberg, Moenting & Co

Mangels Erweiterungsmöglichkeiten verlegten die Eigentümer um 1910 die Maschinenfabrik Eulenberg, Moenting und Co. aus (Köln-)Mülheim ins damalige Schlebusch-Manfort; im Mittelpunkt der Produktion standen Dampf- bzw. Lufthämmer.

Aufträge zur Munitionsfertigung im Ersten Weltkrieg führten zu umfangreichen Hallenneubauten, die bis heute das Werk prägen. Das um 1920 errichtete moderne Verwaltungsgebäude blieb bei der Neugestaltung der Werksfront nach Westen in den 1960er Jahren erkennbar; zur Eisenbahn hin existiert noch immer ein alter Kraftwerksgiebel mit Firmennamen.

Siedlung Heidehöhe

Im Auftrag der Gemeinde Wiesdorf wurde bereits in der Endphase des Ersten Weltkriegs 1918 eine Kleinwohnungsanlage projektiert, die mit knapp 90 Wohneinheiten unterschiedlicher Größe sowohl Kriegsheimkehrern als auch anderen Wohnungssuchenden Unterkunft bieten sollte.

Die in mehreren Zeilen angeordneten Reihen- und Mehrfamilienhäuser gruppieren sich um einen rechteckigen, teils geöffneten Hof und sind umgeben von Nutzgärten. Architekt Wilhelm Fähler sorgte durch moderne Bautechniken und normierte Elemente für geringe Baukosten.


Güterbahnhof und Stellwerk Morsbroich

In einer Zeit, als der Güterverkehr noch als hochprofitabel galt, entstand 1871 bis 1879 durch die Rheinische Eisenbahn eine der großen industriegeschichtlich äußerst wichtigen Transporttrassen Westdeutschlands.

Am 19. 11. 1874 war an der Teilstrecke Mülheim-Ruhr nach Troisdorf auch der Güterbahnhof Schlebusch-Morsbroich in Betrieb genommen worden. Anschlussgleise führten vom Güterbahnhof zu Dynamit Nobel und die Sprengstoff AG Carbonit. Eine elektrische Kleinbahn verband am 1903 den Bahnhof mit dem Ortszentrum von Schlebusch.


Walzwerk Wuppermann

Im Jahre 1879 verlegte Theodor Wuppermann seinen 1872 in Düsseldorf gegründeten metallverarbeitenden Betrieb ins damalige Schlebusch. Man spezialisierte sich auf warmgewalzten Bandstahl und kaltgewalzte Profile und gehörte zu den führenden Unternehmen der Branche.

Mit dem Bau eines Verwaltungsgebäudes mit zeitgemäßer Betonrasterfassade wurde die Firmenzentrale 1954 mit Werkseingang und Pförtnerhaus an den Hemmelrather Weg verlegt. Nur wenige Hallen in der Nordwestecke des Werksgeländes zeugen noch von der Produktion auf dem Gelände. Nach Schließung des Werks um 1985 entwickelt die Stadt Leverkusen das Gelände insbesondere als Standort für innovative Medizintechnik.

Schloss Morsbroich

Treffpunkt des rheinischen „Industrieadels“ und Sommersitz eines der einflußreichsten frühen Industriellen des Rheinlandes, Friedrich von Diergardt

Sprengstoff AG Carbonit

Bald nach seiner Gründung im Jahr 1886 kam das auf der Schlebuscher Heide gelegene Sprengstoffwerk in den Besitz der Hamburger Carbonit AG, die für ihren Direktor um 1895 eine aufwändige Villa am Eingang zum ausgedehnten Werksgelände errichten ließ.

Eine mit der Schlebuscher Straßenbahn kombinierte Werksbahn versorgte seit 1906 den Betrieb, der zu Friedenszeiten vor allem Sicherheitssprengstoff für den Berg- und Tunnelbau herstellte.

Im Ersten Weltkrieg stark ausgebaut, wurde das vom Dynamit-Nobel-Konzern übernommene und demilitarisierte Unternehmen 1926 geschlossen. Ab 1936 entstand auf dem planierten Gelände die Waldsiedlung. Die Direktorenvilla wurde als Hotel genutzt und beherbergt heute ein Brauhaus.

„Sachsenvilla“ der Textilfabrik Kuhlen

Arbeiter und Wohnraum für Arbeiter war eine der wichtigsten Ressourcen der Industrialisierung der Textilindustrie. In Schlebusch investierte eine Textilfabrik in eine ganze Zeile von zweckmäßigen und dennoch aufwändig gestalteten Mehrfamilienhäusern.

Seidenweberei Andreae

Das in Köln-Mülheim im 18. Jahrhundert gegründete und beheimatete Unternehmen hatte auch in Schlebusch zahlreiche Hausweber unter Vertrag. Anders als in Mülheim ist mit dem Gebäude Bergische Landstraße 84 ein bauliches Zeugnis dieser Verlagstätigkeit aus vorindustrieller Zeit erhalten geblieben. Die „dezentrale Manufaktur“ wurde ergänzt durch eine zentrale Produktionsstätte. Was in Mülheim nicht erhalten ist, kann in Schlebusch besichtigt werden.

Villa Peill

Die im Seidenhandel tätige Kölner Kaufmannsfamilie Peill war mit den Mülheimer Unternehmern, die in Schlebusch Sommerhäuser besaßen, versippt und ließ ebenfalls um 1855 im Landschaftspark an der Dhünn ein Landhaus errichten, das um 1905 durch ein großzügiges Wirtschaftsgebäude ergänzt wurde.

Die im Kern als Fachwerkbau konstruierte Villa im „Schweizerhaus-Stil“ diente in den Sommermonaten der großen Familie rund um die Witwe des Kaufmanns Peill als Mittelpunkt für Erholung, Familienfeste und Kontaktpflege. Nach jahrzehntelanger Vernachlässigung präsentiert sich das Haus seit einigen Jahren wieder in alter Schönheit.

Villa Rhodius

Um 1870 durch einen französischen Architekten für Mitglieder der Familie Andreae erbaute Villa mit ursprünglich herrlichen, bis zur Dhünn reichendem Park.

Villa Wuppermann

Ebenfalls für die Familie Andreae 1855 erbaute Villa mit Park bis zur Dhünn. Die Wuppermanns übernahmen die Villa 1885 und sorgte für deren bis heute gebräuchliche Namensgebung.

Freudenthaler Sensenhammer

Das erste Hammerwerk in Freudenthal an der Dhünn entstand 1778. Bis heute ist die Tradition der Metallbearbeitung in Leverkusen Schlebusch live im Industriemuseum Freudenthaler Sensenhammer erlebbar.

Dhünn

Das Flüßchen Dhünn, das im Bergischen entspringt und über Altenberg, Odenthal und Hummelsheim nach Schlebusch fließt. Am Sensenhammer und an der Auermühle wurde früher die Wasserkraft der Dhünn genutzt.

Die Dhünn schlängelt sich am am Schloß Morsbroich vorbei in Richtung des Wuppermann Geländes. Zu Zeiten des Walzwerks Wuppermann wurde das Wasser der Dhünn dort genutzt. Von Schlebusch geht es an Wiesdorf und Bürrig vorbei.

Ursprünglich mündete die Dhünn allerdings in den Rhein, der Flusslauf mündet aber schon seit 1840 in die Wupper.


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