Reuschenberger Mühle

Im Niederungsgebiet des Rheins entstand 1477 eine urkundlich erstmals erwähnte Mahlmühle, von der übertägige Reste nicht erhalten sind. Die „Neue Mühle“ wurde mit feiner spätklassizistischen Architektur 1847 errichtet. Die erhaltenen technischen Anlagen der Mühle mit einem Generatorensaal zur Stromerzeugung stammen aus den 1930er Jahren. Die Mühle wird zukünftig als privates Museum zu besichtigen sein.

Alte Mühlen
Die Geschichte der Reuschenberger Mühle lässt sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Die sogenannte „Alte Mühle“ wird 1477 erstmalig urkundlich erwähnt. Diese bestand aus zwei nebeneinander liegenden Mühlengebäuden: einer Schrot- und Mahlmühle (Getreidemühle) und einer Ölmühle. Angetrieben wurden die zwei Mühlen durch zwei unterschlächtige Wasserräder. In den folgenden Jahrhunderten veränderte sich die Anlage kaum, obwohl sie mehrfach den Besitzer wechselte. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Anlage stetig umgestaltet und erneuert. Die alte Ölmühle wurde ab 1860 zunächst in eine Lohmühle umgewandelt, die bis Anfang der 1870er Jahre in Betrieb war. Auch die Nutzung der Getreidemühle endete, als Mitte der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts die „Alte Mühle“ komplett stillgelegt und abgebrochen wurde. Oberirdisch ist von der alten Mühlenanlage heute nichts mehr erhalten. Im Jahr 1989 wurden allerdings bei Kanal- und Ausgrabungsarbeiten Fundamente, Pfeiler und Radzulauf entdeckt.

Neue Mühle – Kunstmühle
Auf dem Gelände wurde ab 1847 die heute noch erhaltene „neue“ Mühle als sogenannte Kunstmühle auf dem damals höchsten Stand der Technik errichtet. Sie diente zunächst als Getreide- und Ölmühle. Neben einem hydraulischen Pumpwerk enthielt sie einen Turbinenantrieb, der der Erste im Rheinland gewesen sein soll. Dabei handelte es sich um eine Henschel-Jonval-Turbine. Zur optimalen Ausnutzung der Wasserkraft wurde bereits um 1840 das Wassergefälle durch ein aufwendiges, bis heute in Betrieb befindliches Graben- und Kanalsystem mit Wehren auf über 5 m erhöht. Der Obergraben hat dabei eine Länge von ca. 1,2 km, während die Länge des Untergrabens ca. 800 m beträgt.

Neue Mühle von 1847 mit Ostgiebel und außenliegendem Aufzugsschaft. Hier im östlichen Teil des Gebäudes waren die Mahleinrichtungen und die Maschinen zur Papierherstellung untergebracht. Heute befindet sich hier noch der Generatorensaal und die zum Antrieb der Generatoren notwendige Transmission.
Generatorensaal mit Generator und Transmissionswelle. Der Transmissionsriemen führt ins Erdgeschoss und wird dort von einem großen gusseisernen Schwungrad angetrieben. Auf der anderen Saalseite gibt es den gleichen Maschinensatz spiegelbildlich noch ein zweites Mal.

Papiermühle
In den folgenden Jahrzehnten wurde die Produktion der Mühle stetig ausgeweitet und die technischen Anlagen modernisiert. Es wurden 1882 neue Turbinen, sogenannte Regulierturbinen eingebaut und ein Holzschleifereibetrieb eingerichtet. Dies diente der verbesserten Gewinnung von Rohstoffen für die Papierherstellung, die bis dahin durch die Verwertung von Lumpen erfolgt war. Der Ausbau der Papierherstellung hatte möglicherweise seinen Grund in der Entwicklung der Massenpresse, wodurch Zeitungen einen erhöhten Absatz fanden. Einen Hinweis darauf liefert die Teilhaberschaft von Joseph August Hubert Neven DuMont an der Anlage zu dieser Zeit. Zusammen mit seinem Bruder übernahm er 1896 die Verlagsleitung des bekannten und erfolgreichen Verlagshauses M. DuMont Schauberg.

Wasserkraftwerk
Bis 1930 wurde die Papierherstellung auf Stromerzeugung umgestellt, es gab eine erneute Modernisierung der Turbinentechnik. Die Gesamtanlage ging in den Besitz der Firma Schusterinsel über und diente ausschließlich der Nutzung der Strom- und Wasserversorgung für die firmeneigene Fabrikanlage in Opladen. Zur verbesserten Stromgewinnung wurden 1988 die Francis-Turbinen durch zwei Kaplan-Turbinen ersetzt, welche insgesamt über 400 kW leisten. Bis heute ist die Wasserkraftanlage mit den wasserbaulichen Anlagen in Betrieb und es wird in der Reuschenberger Mühle erneuerbarer Strom erzeugt.

Westgiebel und Nebengebäude. Hinter dem Westgiebel der Mühle befanden sich die Wohnräume der Müllersfamilie.

Nutzung der zum Betrieb gehörigen Nebengebäude
Typisch für die Expansion gewerblicher Betriebe im Verlauf der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung belegen die noch vorhandenen Nebengebäude das Wachstum der Reuschenberger Mühle im Laufe des 19. Jahrhunderts.

Anfang der 1930er bis Ende der 1950er Jahre befand sich auf dem Gelände der Reuschenberger Mühle ein Betrieb, der Feuerlöscher und Zubehör herstellte. Ab 1982 wurden dann die verschiedenen Gebäude der Mühle von unterschiedlichen Kleingewerbebetrieben sowie einem Fleischimporteur als Fabrikationsstätten und Lagergebäude genutzt. Heute wird die Anlage als moderner Technologiepark betrieben, in dem unterschiedliche Gewerbe- und Dienstleister untergebracht sind. 

Gusseiserne Stütze und rundbogige Fenster im ehemaligen Mühlentrakt des Mühlengebäudes.

Die Reuschenberger Mühle gilt als eines der wenigen Beispiele klassizistischen Backsteinbaus im Industriebereich und stellt eine qualitätvolle Industriearchitektur dar. Das viergeschossige Mühlengebäude mit den rundbogigen Fensteröffnungen und interessanten Sprengwerk. Von besonderer Bedeutung sind auch die kannelierten Gussstützen, welche im nationalen Maßstab Seltenheitswert besitzen. Des Weiteren dokumentiert die heute noch stellenweise vorhandene Maschinenausstattung: Turbinen, Steuerung, Generatoren und Massenschwungräder die technische Entwicklung. Das Objekt „Reuschenberger Mühle mit Mühlengraben und Mühlenwehr an der Wupper“ in Leverkusen ist ein eingetragenes Baudenkmal und eine der ersten „Industriemühlen“ in Deutschland.


Literatur und Quellen:

  • Hehmann, Meinolf / Stadt Leverkusen (Hrsg.) (2000) Reuschenberger Mühle in Bürrig. o. O. Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.) (2011)
  • Mühlenregion Rheinland (DVD-ROM, DVD-Video und Beilage). Köln.
    · RMDZ (Rheinisches Mühlen-Dokumentationszentrum e.V.) Mohr, Gabriele; Hagen, Rüdiger
    · Kuladig, LVR (https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-9945-20110428-4) (abgerufen 28.06.2